Einsame Schafe

Im normal Fall kümmert sich mein Vermieter rührend um die 2 Gäste die er bei sich auf der Weide stehen hat. Zwei wunderschöne Schafe, ein braun-weißes abgeschorenes Muttertier mit einem schmutzig-weißen ungeschorenen Lamm (das mittlerweile seine Frau Mama schon überholt hat von der Größe her). Ich nenne sie immer meine beiden Schafe, weil sie ja direkt unter meinem Zimmerfenstern stehen. Zur Zeit aber ist es irgendwie anders.

Mein Vermieter ist krank und das für längere Zeit, ein ziemlicher tumult war das mit Krankenwagen, Feuerwehr etc. habe mir da echt ein wenig sorgen gemacht aber ihm geht es schon wieder besser. Die Schafe die es gewohnt sind von ihm mehrmals am Tag betreut und betüdelt zu werden erhalten nun nur noch einmal am Tag ihre Streichel-Kraftfutter-Einheit. Da ist ihnen einfach viel zu wenig.

Egal wann ich an der kleinen Weide vorbei komme, sei es um mit dem Roller zur Arbeit zu fahren, den Müll raus zu bringen oder mit dem Hundi eine Runde zu drehen, sie schauen mich an, so als wollen sie mir einen Vorwurf machen und fangen lauthals an zu blöcken. Ein tiefes trauriges Geräusch das einem eine Gänsehaut bringen kann. Immer und immer wieder, eines lauter als das andere. Bööööh, böööööh, bööööh. Und immer wieder. Bööööh, böööööh, bööööh.

Der starre Blick der Schafe während des Blöckens ist noch schlimmer als das Geräusch. Ein Vorwurf der um Hilfe fast bettelt: Lasst uns nicht allein! Würde sie ja dann am liebsten zu mir in die Wohnung nehmen aber was würden dann meine Käfer und Spinnen sagen wenn ich nun auch noch Schafe bei mir einquartieren würde? Nein das ist einfach nicht möglich

Still werden sie erst wenn man zurück blöckt. Das habe ich, weil es mir zu sehr auf die Nerven ging, einmal ausprobiert. Klappt wunderbar, schon sind sie still. (Möchte aber nicht wissen was ich den auf blöckisch erzählt habe.) geht es bei Ihnen Bööööööh mache ich kurz bööh und schon ist wieder Ruhe. Was bleibt ist ein verwunderter leicht verwirrter Blick.

Heute morgen ist das große Mama-Schaf sogar gegen den kleinen Maschendrahtzaun gerannt, es konnte wohl die Bremse nicht finden. Das Tier hat sich dagegen geworfen und wieder kam das Bööööööh und ich zurück bööh und alles war gut, nur der Blick ...

Das sie morgens um fünf, wenn der Zeitungsbote die Tageszeitung in den Briefkasten einwirft auch anfangen zu Blöcken ist nicht so schön. Und eben aufstehen und mein kurzes bööh loswerden, nein, dazu bin ich dann doch zu faul. Also lasse ich sie weiter vor sich hin blöcken und versuche wieder ein zu schlafen. Gelingt auch meistens.

Jetzt sind sie gerade still, vorhin bekamen sie ihre Einheit und danach ist meist Ruhe. Aber ich könnte schwören sobald wieder Jemand am Zauntor entlang wandert fangen sie wieder an.

So und bevor ich jetzt noch mehr hier herum blöcke
noch ein kleines Lied und ein bye bye bis zum nöchsten bööh.